Kurzbeschreibung

Persönlichkeitsrechte und demokratische Grundrechte werden im Zeitalter digitalisierter Kommunikation aktuell grundlegend in Frage gestellt. Souverän und selbstbestimmt sein Leben zu gestalten, sich genussvoll mit kulturellen, sozialen oder auch politischen Themen zu beschäftigen und für die eigene Lebensführung selbstsicher informierte Entscheidungen zu treffen - dieses Ideal mündiger Bürgerinnen und Bürger erscheint mit Blick auf die immer weiter voranschreitende Durchdringung nahezu aller Lebensbereiche mit digitalen und vernetzen Medien immer schwieriger zu erreichen - gerade weil die Angebote der Medienwelt auf der einen Seite ständig verfügbar sind und auf der anderen Seite ihre Strukturen gleichzeitig immer undurchschaubarer werden.

Die fortschreitende Digitalisierung von Gesellschaft und die zunehmende Durchdringung aller Lebens- und Gesellschaftsbereiche mit Medien werfen immer neue Fragen danach auf, wie Kinder und Jugendliche im Aufwachsen und ihrem Wohlergehen unterstützt werden können. Aktuell sind dies vor allem solche, die von der Diskussion um die Integrität der eigenen Person in Zeiten von Datentransparenz und -kontrolle geprägt sind. Dabei gilt es, folgendes Spannungsfeld zu beleuchten:

  • Zum einen ermöglicht es die Digitalisierung, die Ideale von Offenheit und Transparenz für mehr gesellschaftliche Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen. Dies erweitert die eigene Lebensführung, wenn Medien und ihre Kommunikations- und Interaktionsstrukturen dazu genutzt werden, sich einzubringen, kreativ-aktiv tätig zu werden und sich zu vernetzen.
  • Zum anderen zeigen sich in den Ereignissen des Jahres 2013, dass die Auswertung digitaler Daten von Bürgerinnen und Bürgern Realität ist, hingenommen werden muss und an vielen Stellen nicht hinterfragt wird. An dieser Stelle ist danach zu fragen, wie pädagogische und politische Handlungsoptionen aussehen können, um dem Souveränitätsanspruch von Bürgerinnen und Bürgern Rechnung zu tragen.

Mit Blick auf die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen trifft dies den Kern pädagogischer Ziele und Aufgaben: Wie ist ein Leben in Souveränität und Selbstbestimmung möglich und wie können Heranwachsende dabei bestmöglich unterstützt werden? Dabei stehen folgende Aspekte im Zentrum:

  • Welche Perspektive haben Heranwachsende selbst auf eine zunehmend mediatisierte und digitalisierte Gesellschaft? Welche Schutzbedürfnisse thematisieren Kinder und Jugendliche und wie können diese aufgegriffen werden? Welche Potenziale bieten aktuelle Entwicklungen für das Aufwachsen?
  • Wie können Erwachsene - Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern aber auch zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure - Kinder und Jugendliche beim Aufwachsen im Sinne der Gestaltung eines souveränen und möglichst selbstbestimmten Lebens unterstützen?
  • Mit welchen Akteurinnen und Akteuren sollte die Pädagogik zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen?

Die interdisziplinäre Tagungsreihe des JFF will einen fachübergreifenden Diskurs über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten anregen, bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen Aspekte des Medienhandelns von Heranwachsenden unter aktuellen gesellschaftlichen und medialen Bedingungen zu beleuchten.

2014 feiert die Interdisziplinäre Tagung ihr 10-jähriges Jubiläum, das am Donnerstag im Rahmen einer Diskussionsrunde und eines Stehempfangs begangen wird. Unterstützt wird die Interdisziplinäre Tagung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). Der Empfang am 27.11.2014 wird zusätzlich durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration unterstützt. Geplant ist zudem eine Kooperation mit dem Wissenschaftsjahr 2014 "Digitale Gesellschaft" des BMBF. In diesem Rahmen führt das JFF sog. TEDtalks mit Jugendlichen durch. Die Perspektive der Jugendliche auf diesen Themenkomplex ist also über ihre direkte Teilnahme an der Podiumsdiskussion am Donnerstag und über Videoausschnitte aus den TEDtalks am Freitag vertreten. Die im Jahr 2013 erstmals umgesetzte mediale Begleitung via Weblog und Videodokumentation der Tagung wird in diesem Jahr fortgesetzt und ausgebaut.

Infos und Anmeldung zum 10-jährigen Jubiläum unter: 
http://www.medienpuls-bayern.de/events/ansicht/eventinfo/10-jahre-interdisziplinaere-tagung/.  

 

Agenda

10.00 Anreise

10.30 Die Veranstaltenden im Gespräch

10.45 Die Berechnung der Welt? Big Data im Zeitalter der Digitalisierung

  • Prof. Dr. Klaus Mainzer, TU München

11.15 Bedingungen des Aufwachsens im Spannungsfeld von Kontrolle und Transparenz. Zentrale Herausforderungen für die Medienpädagogik 11.45 Nachfragen und Diskussion

  • Dr. Ulrike Wagner, JFF

12.15 Mittagspause

13.30 Fragen von Jugendlichen an die Zukunft der digitalen Gesellschaft aus dem Projekt "Jugend erforscht die Digitale Gesellschaft"

  • Niels Brüggen, JFF

14.00 Kurzinputs von und Diskussion mit Expertinnen und Experten:

  • Prof. Dr. Alexander Filipovic, Hochschule für Philosophie, München
  • Dr. Till Kreutzer, i.e. Büro für informationsrechtliche Expertise, irights.law.de
  • Klaus Lutz, Medienzentrum Parabol, Nürnberg

15.45 Wissen teilen! Interdisziplinarität als Realutopie

  • Prof. Dr. Helga Theunert

16.00 Digitaler Ausklang

Moderation: Ulrike Ostner (Bayerischer Rundfunk)

Referenten
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